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Norbert Blüm kritisiert "Finanzkapitalismus"

Vortrag: Ehemaliger Bundesarbeitsminister spricht bei der KAB im Seckenheimer Pfarrzentrum St. Clara über Unternehmensphilosophien / "Kollektive Gaunerei"

 

Datum:
Erscheinungsort:

 

28. November 2011
Mannheimer Morgen, S. 21

 

Von unserer Mitarbeiterin Beate Stumpf

"98 Prozent der Dollar-Billionen, die den Erdkreis umwandern, haben mit Arbeit, realen Gütern oder Wertschöpfung nichts zu tun. Das ist reine heiße Luft. Diese Illusion wird zusammenbrechen wie ein Kartenhaus." Norbert Blüm (Bild) ist Gast beim Kurpfälzer Dialog der "Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung" (KAB) Nordbaden. Zu der Veranstaltung im Seckenheimer Pfarrzentrum St. Clara sind rund 150 Besucher gekommen.

Blüm ist bestimmt kein Sozialist, aber er war das soziale Gewissen seiner Partei zu Helmut Kohls Zeiten. Der ehemalige Bundesarbeitsminister der CDU engagierte sich vor allem in der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA).

Blüm hat aber heute immer noch einiges zu sagen, mit profundem Wissen ausgestattet und auch volksnah: Der 76-jährige Rentner ist ein gern gesehener Vortragsreisender und Autor. "Ehrliche Arbeit" heißt sein aktuelles Buch und verspricht einen lebhaften Angriff auf den Finanzkapitalismus. Dass dieses Buch mit Herzblut geschrieben ist, macht der gelernte Werkzeugmacher und Doktor der Philosophie mit kraftvollen Worten deutlich: "Nie waren die Chancen für die christliche Soziallehre so groß wie heute", ruft er in den Raum. "Der Kapitalismus hat seine beste Zeit hinter sich. Die nächsten 20 Jahre wird dieses System nicht überstehen. Und Eigentum wird nur im Bündnis mit der Arbeit überleben. Da bin ich mir sicher." Eine neue, wiederkehrende Wertschätzung "ehrlicher Arbeit" sieht Blüm als Hebel zur Veränderung einer realitätsfernen Spekulationswirtschaft. Sein Buch ist ein leidenschaftlicher Mahnruf gegen die Methoden der Geldvermehrung und gegen "einen wildgewordenen Finanzkapitalismus." Norbert Blüm liebt die polemische Zuspitzung, zitiert mit Vergnügen Bonmots und erzählt flott unterhaltsame Anekdoten. Immer wieder wird sein Vortrag von Beifall unterbrochen. "Geld regiert die Welt" - fast erschöpfend beschreibt er die Ignoranz und Hybris von Bankern, Politikern und Managern und übt grimmige Kritik an herrschenden Unternehmensphilosophien. "Der Manager unterscheidet sich vom klassischen Unternehmer durch die Auflösung des Zusammenhangs von Risiko und Haftung." Das Unternehmenssystem von heute sei damit ein "System von Eigentumsbeauftragten" geworden. "Das ist kollektive Gaunerei." Blüm fordert Empörung: "Ich brauche Frauen und Männer in Kirchen, Gewerkschaften, Parteien oder in der Öffentlichkeit, um all das zu verändern!" ruft er. "Der Mann hat ja so recht", murmelt man in den Bänken.

Mannheimer Morgen

28. November 2011

 

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