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Einsatz für die, die zu kurz kommen

Erzbischof Stephan Burger dankt KAB für ihren Einsatz-Aufsatzsammlung vorgestellt

 

Datum:

 

17. Mai 2015

 

Mannheim / Freiburg, 17.05.15. Am vergangenen Samstag feierte die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) der Region Rhein-Neckar ihr 125-jähriges Bestehen. Eigens aus Freiburg angereist, war Erzbischof Stephan Burger, selbst KAB-Mitglied seit seiner Pfarrerzeit in St.Leon-Rot, um mit den ca. 200 Gästen dieses Jubiläum zu feiern.

Wir müssen uns für eine gerechtere Welt einsetzen und dabei den Blick besonders auf die richten, für die keiner spricht und die zu kurz kommen, sagte Erzbischof Stephan Burger beim Festgottesdienst in Mannheim. Weiter erklärte der Erzbischof von Freiburg: Es gilt jene nicht aus den Augen zu verlieren, die im Getriebe des Alltags untergehen oder von den vermeintlich Mächtigen untergepflügt werden.

Burger sagte, die gemeinsame Wertebasis sei brüchig geworden. Denken wir nur an die Frage des Lebensschutzes von Anfang bis zum Ende. Denken wir nur an das Feilschen der Staatengemeinschaft hinsichtlich der Möglichkeit, Flüchtlinge aufzunehmen, aufnehmen zu müssen. Wie viel ist uns ein menschliches Leben überhaupt noch wert? Auch Papst Franziskus habe dazu aufgerufen, zu einer gemeinsamen Wertebasis zurückzufinden, als er 2013 in Rio de Janeiro sagte: Arbeitet daran, die Apathie zu überwinden und eine christliche Antwort auf die sozialen und politischen Fragen zu geben. Ich bitte euch, Konstrukteure der Welt zu sein und euch an die Arbeit für eine bessere Welt zu machen. Bitte schaut euch das Leben nicht vom Balkon aus an! Begebt euch in die Welt! Jesus ist nicht auf dem Balkon geblieben. Er hat sich mitten hinein gestürzt. Taucht ein in das Leben, wie Jesus es gemacht hat.

KAB: Kirche in der Arbeitswelt

Jede Gesellschaft benötige von Zeit zu Zeit einen klärenden Blick auf ihr Fundament, stellte Erzbischof Stephan Burger fest. Es braucht tragende Fundamente, gemeinsame Werte, die die Menschen miteinander verbinden und ihrem Handeln von innen her Orientierung geben. Die KAB bringe als Kirche in der Arbeitswelt zur Sprache, was viele leben, ohne die Kirche zu meinen oder Gott zu nennen, wenn sie völlig zurecht Gerechtigkeit und Solidarität und würdevollen Umgang fordern. Zugleich seien Menschen wichtig, die die Liebe ganz bewusst auf Gott hin beziehen, die das Engagement für Menschen christlich nennen, und so auf jenen inneren Kern des Einsatzes hinweisen, der viele Menschen in der Arbeitswelt, in der oft harten Welt unserer Betriebe antreibt.

Die Welt sei hungrig nach Spiritualität und Tiefgang, erklärte der Erzbischof, und tut sich zugleich oft schwer mit unserer Institution. Darum können Menschen, die sich von Christus getragen wissen, ohne amtliche Vertreter der Kirche zu sein, glaubhaft vom Glauben reden, von Gott reden, der sich in unserem Tun und durch unser Tun zeigen will.

Am Ende des Gottesdienstes dankte KAB-Diözesansekretär Ulf Bergemann Erzbischof Stephan für sein Kommen und Mitfeiern. Sie haben hier ein Zeichen gesetzt, was Ihnen wichtig ist, so Bergemann, denn es gab auch immer wieder Zeiten, in denen der KAB auch von kirchlicher Seite Gegenwind entgegen kam. Die KAB präsentierte an diesem Nachmittag auch eine 140-Seiten starke Aufsatzsammlung von Frauen und Männer, die in den letzten Jahren die Arbeit der KAB begleitet haben. Sie haben der KAB etwas ins Stammbuch geschrieben, was sie mit in die nächsten Jahrzehnte nehmen soll, konstruktiv und kritisch, aufmunternd und realistisch. 34 Autoren leisteten einen Beitrag, u.a. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, Heiner Geißler oder Karl-Josef Laumann.

Das Jubiläum der KAB begann bereits vor dem Gottesdienst in Maria Hilf (MA-Almenhof) mit einer Mitmachaktion? unter dem Motto Aufbruch ins Leben zwischen Lebensfunken und ausgebrannt sein. Während das traditionelle Hammerkreuz der KAB geschmiedet und geschweißt wurde, konnten sich die Besucher an Animationsständen über Frauen, Jugend, Flüchtlinge und Arbeit inspirieren lassen um dann ihre Anliegen an das Hammerkreuz zu heften, welches dann im Gottesdienst mit eingebracht wurde.

Bei der Talk-Runde nach Empfang und Gottesdienst ging es vor allem darum, wie die Arbeitswelt in der Zukunft sich entwickeln wird und welche gesellschaftlichen Bewegungen notwendig sind, um ein Gegengewicht gegen die zunehmende Macht der Konzerne zu bieten. An der Diskussionsrunde nahmen u.a. Betriebs- und Personalräte der Region teil, sowie Vertreter des KAB-Diözesanvorstandes teil. Dr. Horst Steffens vom Technoseum Mannheim forderte in Anlehnung einer Industrie 4.0, eine Arbeitsgesellschaft 4.0, die bunt und vielfältig bleiben muss.

Im Jahr 2015 kann die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung der Region Rhein-Neckar auf das 125-jährige Gründungsjubiläum des Katholischen Arbeitervereins zurückblicken: Kaplan Karl Fritz (späterer Erzbischof von Freiburg) gründete am 27. April 1890 den katholischen Arbeiterverein in der Mannheimer Innenstadt. Der katholische Arbeiterverein war zu Beginn überwiegend eine Selbsthilfegruppe, die einen Gegenpol zu den sozialistischen Arbeitervereinen bildete. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Arbeit unmöglich. Nach Kriegsende gründete sich als Nachfolgeorganisation das katholische Werkvolk. Jetzt stand der Wiederaufbau des Landes im Vordergrund, sowie die politische Einflussnahme auf Gesetzgebung und Mitgestaltung der Bundesrepublik Deutschland. Anfang der 70er Jahre wurde der Name in Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) geändert. Von nun an war die politische Positionierung noch deutlicher. So forderte die KAB unter anderem die Rente für Mütter oder auch die Einführung einer Pflegeversicherung. Bis heute bleibt ihr Einsatz für den arbeitsfreien Sonntag aktuell. Der Sozialverband umfasst in der Region Rhein-Neckar drei Bezirke mit fast 1000 Mitgliedern.

 

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