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Die Arbeit als Gottesdienst

Vortragsabend mit dem evang. Landesbischof Cornelius-Bundschuh

 

Datum:

 

16. November 2016

 

Die Arbeit als Gottesdienst - Dieser Titel stand als Leitfrage über dem Vortragsabend des evangelischen Landesbischofs Jochen Cornelius-Bundschuh im Mannheimer Haus der evangelischen Kirche. Im Rahmen der diesjährigen Kurpfälzer Sozialtage ging es darum, welche Prägekraft die protestantische Arbeitsethik in der sich stark verändernden, heutigen Arbeitswelt noch haben kann. Am Beginn des Reformationsjubiläumsjahres durfte deshalb der Rückblick auf Martin Luther und sein Verständnis von Arbeit als einem Gottesdienst in der Welt nicht fehlen. In der Konsequenz des Priestertums aller Gläubigen wollte dieser die profane Arbeit aufgewertet und als Dienst am Nächsten verstanden wissen. Das führte, so der Landesbischof, zu einem 'doppelten Beruf'. Zur Berufung im Glauben wie zur Berufung zum Dienst an den Mitmenschen.

Sehr schnell kam Cornelius-Bundschuh dann auf die Herausforderungen zu sprechen, die die gegenwärtige Globalisierung und Digitalisierung für das protestantische Arbeitsverständnis bedeuten. Drei Stichworte wurden von ihm benannt: Die Würde der Arbeitnehmer gegenüber dem zunehmend durch die digitale Automatisierung bestimmten Arbeitsrhythmus. Die Verantwortung für die Produktionsketten bis in die Fabriken der Entwicklungsländer hinein. Und das Vertrauen, das angesichts einer tiefgreifenden Finanzkrise und der Skandale in der Automobilindustrie für das Wirtschaftsleben neu zurück gewonnen werden müsse. Hier habe die Kirche ihre Aufgabe darin, immer wieder deutlich zu machen, dass die Würde eines Menschen unabhängig von aller Arbeitsleistung gelte. Dazu diene nicht zuletzt ihr Engagement zusammen mit den Gewerkschaften für die Einhaltung des Sonntagsschutzes. Es müsse Phasen der Unterbrechung von Arbeitsprozessen und der gemeinsamen freien Zeit geben. Gerade, wenn bisherige Zeitstrukturen sich unter dem Druck der Beschleunigung auflösen.

Mehr fragend als Antwort gebend skizzierte der Landesbischof die Kulturveränderungen, die mit der Arbeit 4.0 zu erwarten seien. Wie sind künftig gerechte Rahmenbedingungen für gute Arbeit durchzusetzen. Oder was geschieht, wenn die Digitalisierung zunehmend traditionelle Arbeitsplätze vernichtet. Und nicht zuletzt, was könnte die Rolle der Kirche bei diesem Strukturwandel sein. Cornelius-Bundschuh wollte hier die Kirche unbedingt auf der Seite derer sehen, die angesichts dieser Veränderungsprozesse auf der Verliererseite stehen. Diese Rolle müsse sie mehr moderierend als vorschreibend ausfüllen und sich zu gegebener Zeit auch als seelsorgende Kirche verstehen. Auf die Frage aus dem Publikum nach dem spirituellen Aspekt im Arbeitsleben meinte der Bischof abschließend: 'Es ist an der Zeit, dass wir wieder mehr nach dem Gottesdienst jenseits der Arbeit fragen.' Gemeint war damit, dass wir Menschen uns angesichts des modernen Arbeitslebens wieder mehr um unser inneres Gleichgewicht, vielleicht auch um unsere persönliche Spiritualität kümmern sollten.

 

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