Aktuelle Termine:

23. März 2020
Derzeit müssen alle Termine abgesagt werden
...

Ganz schön bunt hier

Zum 50. Todestag von Josef Kardinal Cardijn - Gründer der CAJ

 

Datum:

 

15. Juli 2017

 

Der Todestag Cardijns jährt sich in diesen Tagen zum 50.mal. Sein Geist ist jedoch bis heute höchst lebendig und lebt noch in Gruppen der Erzdiözese. Sein Ethos belebt bis heute die Verbände KAB und CAJ. Die meisten Aktiven stießen in ihren Jugendtagen während ihrer Ausbildung auf eine CAJ-Gruppe und damit auf die schillernde Figur des Josef Cardijns. Sein imaginärer Lern-Dreischritt Sehen-Urteilen-Handeln verband und verbindet ganze Generationen von CAJlern, die dann oft als Erwachsene in die KAB eintreten. Was fasziniert tausende Menschen bis heute an diesem Mann.

Josef Cardijn war ein Fixstern am Himmel eines sich verändernden Katholizismus im 20. Jahrhundert, der stark von der alten Gehorsamsidee geprägt war. Glaube bedeutete Gehorsam. Cardijn trug in seiner Zeit dazu bei, dass sich ein befreiendes Verständnis von Glauben, das dem Leben dient und es ex luce evangelii erhellt, durchsetzen konnte. Das war epochal und prägte sich ins Langzeitgedächtnis vieler Menschen ein. Und das wird in diesen Verbänden nicht nur behauptet, sondern vor allem erfahrbar. Das soll durch an drei Punkten konkretisiert werden:

a) Menschen erfuhren und erfahren in diesen Gruppen Wertschätzung und Einfühlung. Cardijn entwickelte ein Gespür für die einmalige Größe der Kleinen! DU bist wichtig! Dein Schicksal, dein Arbeitstag sind bedeutend! Darin findet sich Gottes Spur in dieser Welt. Und das wird in diesen kleinen Gruppen immer wieder auch spür- und erfahrbar. Menschen sind nicht nur Schatten, sondern sind bunt! Wenn die Katholische Sozialethik die Person als eine aus Gott verdankte Existenz an Universitätskathedern definiert, dann wurde und wird sie in der CAJ und KAB gemalt, durchbuchstabiert und farbig ausgestaltet. In der CAJ bekam jeder Bedeutung und Wertschätzung ? besonders die, die als Auszubildende ganz unten in der Unternehmenshierarchie standen. Das verbandelt und verbindet Menschen, macht sie zu einem Verband, zu Verbündeten.

b) Die CAJ und heute auch die KAB sind und waren persönlichkeitsbildende Denkschulen. Menschen lernen selbstständig zu denken und ihr Leben zu reflektieren. Mit unterschiedlichen Methoden: die bekanntesten sind der Dreischritt: Sehen-Urteilen-Handeln und die Revision de vie. In vielen staatlichen Schulen, Volksschulen und Berufsschulen bestand Denken bis in die 1980-er hauptsächlich darin, das Licht der Meinung von Unternehmungen und Eliten zu duplizieren und dem dann vor allem zu gehorchen. Andere Denkhorizonte zu entwickeln, die z.B. im Lichte des Evangeliums das Licht des eigenen Urteils und Gewissens festigten, gab es nur wenige. Deshalb ist und war der Bildungsansatz von Cardijn bis heute eine persönlichkeitsbildende Lebensschule, die dadurch den Prozess der Demokratisierung, die ja auf der Fähigkeit seiner Mitglieder zum Urteilen basiert, nach dem Krieg mit vorantrieb. Übrigens auch zu mehr Transparenz in der Kirche selbst. Wenn heute die wachsende Tendenz zur Ökonomisierung der Bildung beklagt wird, dann ist die CAJ bis heute ein Leuchtturm für mehr Herzens- und Menschenbildung: angesichts der europa- und weltweit aufziehenden Wolken über der Demokratie wohl mehr denn je ein Fixstern!

c) und im Geiste Cardijns begannen Menschen die Gesellschaft und Kirche verantwortlich mit zu gestalten. Durch Solidarität in den Gruppen bildeten sich Aktionskreise und -gruppen, die Demokratie nicht nur im vierjährigen Abstimmmodus begriff. Jeden Tag braucht es Beteiligung. Und viele CAJler und heute KABler erlebten durch die Verbandstruktur neue Fähigkeiten und Talente. In einer Zeit, in der die Seelsorge sich aus den unterschiedlichsten Gründen in Großräumen mehr anonymisiert, könnte der Gemeinschaftssinn der CAJ- und der KAB- Verbandes durchaus wieder an Attraktivität gewinnen.

Werfen wir mal all das in den Ring, dann ist der Geist Cardijns heute noch ein Schwergewicht. Eben als gelebte Bewegung, die den Menschen in den Mittelpunkt von Wirtschaft und Gesellschaft aus dem Licht des Evangeliums stellt.

Dr. Patrik Schneider,

Geistlicher Leiter der KAB der Erzdiözese Freiburg, Achern

 

Weiterführende Informationen

 

Weitere Angebote

 

Impressum
Rechtliche Hinweise
Hinweise zum Datenschutz