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Kritische Blicke auf die Glitzerwelt

Waldhof Kabarett mit Lutz von Rosenberg Lipinsky in Franziskus

 

Datum:
Erscheinungsort:

 

23. November 2018
Mannheimer Morgen, Nord-Ausgabe

 

Vom MM-Redakteur Christian Hoffmann

Wie sich die Wirtschaftspolitik auf das private Familienleben in den eigenen vier Wänden auswirken kann, machte Kabarettist Lutz von Rosenberg Lipinsky anhand eines Wortspiels deutlich. 'Eine Heirat ist zukünftig eine Fusion, eine Scheidung nennt man Crash', erklärte der norddeutsche Comedian, der kurzerhand die Ehe mit dem Kürzel GmbH als 'Gesellschaft mit begrenzter Hoffnung' übersetzte. Im Rahmen der 9. Kurpfälzer Sozialtage zeigte er sein neues Bühnenprogramm 'Geld.Macht.Angst' in einer Vorpremiere im Franziskussaal. Die Kurpfälzer Sozialtage sind eine Vortragsreihe der katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB).

Macht Geld glücklich? Ob Kabarettist, Theologe, Kolumnist oder Sprachwissenschaftler, viele Berufsbezeichnungen treffen auf Humorprofi von Rosenberg Lipinsky zu, der sich am Stehtisch im Stadtteil Waldhof tiefe Gedanken darüber machte, ob Geld glücklich macht. 'Wer Geld hat, kann tolle Partys schmeißen', überlegte Kabarettist Rosenberg Lipinsky, der früher als ausgewiesener Anhänger von Arminia Bielefeld regelmäßiger Kolumnist der Fußballzeitung 'Kicker' war. 'Es gibt keine soliden Löhne, Renten, Altersheime, da heißt es immer, es sei kein Geld da. Oder es liegt woanders', analysierte er mit frechem Charme.

Zwischendurch berichtete der in Hamburg lebende Bühnenkünstler von seiner letzten Einkaufstour entlang der Shoppingmeile Große Bleichen in seiner Heimatstadt. Mit seinen Pointen erinnerte das kabarettistische Nordlicht an Humormeister Dieter Hildebrandt. 'Zinsen bekommst du nicht mehr auf Guthaben, sondern auf Schulden. Ich muss immer mehr arbeiten, nicht um mehr Geld zu bekommen, sondern um gleich viel Geld zu behalten', stöhnte der witzelnde Familienvater. Woraufhin durch das zahlreich erschienene Publikum im Franziskussaal ein zustimmendes Murren tönte.

Oberflächlicher Schein

Darüber hinaus spekulierte der Kabarettist darüber, wie die Vorstandstoilette im Commerzbank-Hochhaus in Frankfurt am Main wohl aussehe. Für die gewöhnlichen Durchschnittsbürger als unteres Fußvolk eine unerreichbare Glitzerwelt mit funkelnder Glasarchitektur und gut sitzenden Anzügen. Doch ist diese oberflächliche Scheinwelt wirklich erstrebenswert? 'Wie viele Menschen kommen abends beglückt von der Arbeit nach Hause und nicht erschöpft?', hinterfragte er.

In seinem Vortrag behandelte von Rosenberg Lipinsky nicht nur die rücksichtslose Ellbogengesellschaft, sondern auch Themen wie German Angst, die britische Tea Party, Gemeinsinn, Sozialphobien, Lehmann Brothers und den ehemaligen Bahnchef Rüdiger Grube. Mit eigenwilligen Interpretationen unternahm der bald 53-Jährige den Versuch, komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge zu erläutern, etwa den Aufstieg der Volksrepublik China vom 'umgefallenen Reis-Sack' zur ernstzunehmenden globalen Industriemacht ? mit einem ironischen Augenzwinkern.

Aus der Nachbarschaft

'Strom- und Kabelfernsehen, das muss man doch nicht buchen, sondern kann man sich kostenlos aus der Nachbarschaft besorgen', empfahl von Rosenberg Lipinsky, der beim Waldhofer Publikum bestens ankam.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 23.11.2018

 

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