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Was ist uns die Würde des Menschen wert

Gemeinsames Seminar Vertreter von DGB, KAB und Arbeitnehmerseelsorge trafen sich in Tauberbischofsheim

 

Datum:
Erscheinungsort:

 

11. März 2019
Fränkische Nachrichten

 

Tauberbischofsheim.Engagierte Vertreter von Gewerkschaft und Kirche trafen sich zu einem Tagesseminar im Hotel St. Michael in Tauberbischofsheim. Seit über 30 Jahren führen der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und die Katholische Arbeitnehmerseelsorge im Main-Tauber-Kreis ein gemeinsames Seminar zu einem aktuellen sozial- oder gesellschaftspolitischen Thema durch.

Tiefe Spuren hinterlassen

Silke Ortwein (DGB-Regionssekretärin) Peter Klement (KAB-Bezirksvorsitzender) und Uwe Terhorst (Referent für Arbeitnehmerseelsorge) waren sich einig, dass der Werbespruch 'Geiz ist geil' scheinbar längst vergessen ist, aber tiefe Spuren in Gesellschaft und Arbeitswelt hinterlassen hat. Um diesem Phänomen nachzugehen, legte Theologin Stefanie Eisele, Bildungsreferentin im Bildungshaus Neckarelz, den Fokus auf die biblische Sicht. Auch wenn die Bibel keine theoretische Abhandlung über den Wert des Menschen biete, so lohne sich doch der Blick in die Bibel mit der Frage im Hinterkopf 'Was ist der Mensch'.

Im Neuen Testament würden die Wesensmerkmale des Menschen in Jesus Christus greifbar und konkret. Er streite alle Standesunterschiede ab und spreche ausnahmslos allen Ansehen und Würde zu. Bleibe die Frage, warum gerade die Kirche sich lange schwer getan habe, für diesen Gedanken der Gleichheit aller Menschen einzustehen und ihn konsequent zu verteidigen. Eisele betonte, dass 'wir als Christen auch heute gefragt sind, für die unbedingte Achtung der Menschenwürde einzutreten. Wir müssen klären, was wir unter christlicher Identität verstehen. Dies ist heute eine große Herausforderung ? persönlich für jeden Einzelnen und für uns als Kirche'.

In Zeiten, da die Kirche in der Gesellschaft sehr an Bedeutung verliere und ihre Monopolstellung unter den Sinnanbietern längst nicht mehr gesichert sei, werde es umso wichtiger, 'dass wir uns in gesellschaftlich wirklich relevanten Fragen zu Wort melden und so dem biblischen Auftrag, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, gerecht werden'.

Einiges ins Rutschen geraten

Im zweiten Teil des Seminars ging DGB-Regionssekretärin Silke Ortwein der Frage des Werts des Menschen in Gesellschaft und Arbeitswelt nach. 'Messen wir unseren Wert an Statussymbolen, Einflussmöglichkeiten, am Familienstand oder Beruf', so ihre Einstiegsfrage. Sie verband diese Frage mit der These, ob es etwa eine gesellschaftliche ?Hackordnung? gebe, wo der Hartz IV-Empfänger weniger wert sei, als der Facharbeiter, Beamte oder Firmenchef. Sie stellte weiterhin die Frage, ob die 'gute, alte Werteordnung der Berufe' auch in Zukunft noch Bestand habe. Eines sei klar: Die Welt verändere sich sowohl bei Statussymbolen als auch bei Ausbildungsabschlüssen. Es sei in den letzten Jahren einiges ins Rutschen geraten. Vollzeitarbeitsplätze seien in Minijobs oder Leiharbeitsverhältnisse umgewidmet worden. Prekäre Beschäftigung und das Zurückschrauben von Gewerkschafts- und Arbeitnehmerrechten führe eher zu einer Ellenbogengesellschaft als zu einer solidarischen Gesellschaft.

'Deshalb müssen wir uns zunehmend als Gewerkschaften und Kirchen für die Würde des Menschen am Arbeitsplatz einsetzen. Dies setzt eine soziale Gesellschaft, gleiche Bildungschancen für alle, eine faire Bezahlung und gleichen Lohn für gleiche Arbeit voraus', so Silke Ortwein. Einige Betriebsräte unterstrichen in der Diskussion, dass ein wertschätzender und respektvoller Umgang in Betrieben dafür sorge, dass der Mensch im Mittelpunkt stehe und nicht nur der Profit. Es gelte sich dafür einzusetzen, dass der Umgang miteinander in manchen Branchen und Betrieben verbessert werde. Ein Baustein sei hier die Frage des Lohns: Mit einer Vollzeitarbeitsstelle müsse der Lebensunterhalt finanziert werden können. Dies sei aber durch einige Niedriglohnsektoren oder durch Tarifflucht nicht überall gewährleistet. Deshalb werbe der DGB für die Stärkung der Gewerkschaften.

Der 'Equal Pay Day' (EPD) steht in Tauberbischofsheim in diesem Jahr unter dem Motto 'Was ist uns die Würde des Menschen wert'. Der EPD wird jährlich neu berechnet und markiert den Tag, bis zu dem Frauen länger arbeiten müssen, um auf das gleiche Gehalt zu kommen, das Männer bereits am Ende des Vorjahres erhalten. 'Dass der , Equal Pay Day? auf den 18. März fällt, überrascht mich nicht, denn die durchschnittliche Lohnlücke zwischen Frauen und Männern bewegt sich seit Jahren um die 22 Prozent', unterstrich Ortwein.

Aktion auf dem Marktplatz

Uwe Terhorst, Referent für Arbeitnehmerseelsorge bedankte sich bei den Referentinnen für die Impulse. Die Seminarteilnehmer waren sich einig: 'Equal pay' soll gelten ? gleiche Arbeit, gleicher Lohn. Eine ungerechte Bezahlung einzelner Gruppen könne nicht akzeptiert werden. Deshalb haben die Seminarteilnehmer auch eine Aktion zum EPD beschlossen. Am Freitag, 22. März, planen DGB, KAB und Arbeitnehmerseelsorge, die Frage einer würdevollen Arbeit und ordentlichen Bezahlung in einer öffentlichen Kundgebung von 9 bis 13 Uhr auf dem Tauberbischofsheimer Marktplatz zu thematisieren. pm

© Fränkische Nachrichten, Montag, 11.03.2019

 

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