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Betriebliche Mitbestimmung und Tarifverträge sind Leitplanken in der Arbeitswelt

Arbeitnehmerseelsorger Uwe Terhorst referierte beim Welttag für menschenwürdige Arbeit in Nussloch

 

Datum:

 

07. Oktober 2019

 

Rhein-Neckar/Wiesloch 07.10.2019. Den Welttag für menschenwürdige Arbeit hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) 2008 ins Leben gerufen, um für Grundrechte in der Arbeit einzutreten. Die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) hat mit ihrem Aktionsabend im Bezirk Heidelberg erneut auf diesen Tag der Internationalen Gewerkschaftsbewegung aufmerksam gemacht. Die KAB und die Arbeitnehmerseelsorge setzten so ein Zeichen und bringen damit zum Ausdruck, dass die Menschen im Mittelpunkt der Arbeitswelt stehen müssen, erklärte KAB Bezirksvorsitzender Martin Bindl aus St. Ilgen.

Der Aktionsabend des KAB Bezirksverbandes begann mit einem thematischen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Laurentius in Nußloch. Pfarrer Arul Lourdu ging in seiner Predigt auf Ungerechtigkeiten ein und sagte am zugleich stattfinden Erntedankfest, dass eine gute Ernte nur dann ertragreich sei, wenn sowohl der Ernteerfolg als auch der Aufwand in Einklang stehen würden. Hier sprach Pfarrer Lourdu sowohl Arbeits- und als auch Lohnbedingungen in Deutschland und weltweit an. Er meinte auch in Deutschland müssten Familien von ihrem Lohn auskömmlich Leben können. Er ermutigte die KAB Verantwortlichen sich weiterhin für menschenwürdige Arbeitsbedingungen einzusetzen. 'Menschenwürdige Arbeit' hieße eben nicht Kinderarbeit zum Beispiel in Indien zu tolerieren oder schlechte Arbeitsbedingungen in Deutschland zuzulassen. Deshalb sei es wichtig das auch kirchliche Akteure sich dieser Thematik annehmen. Er wünschte der Arbeitnehmerseelsorge und KAB für ihren wichtigen Einsatz viel Erfolg.

Beim anschließenden Gesprächsabend mit dem Thema: Die Entwicklung der betrieblichen Mitbestimmung im Spiegel der Katholischen Soziallehre und ihre heutige Bedeutung lud die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) und die Arbeitnehmerseelsorge Rhein-Neckar ein. Trotz regnerischen Wetters interessierten sich rund 25 Personen für die Überlegungen des Referenten für Arbeitnehmerseelsorge, Uwe Terhorst, der für die Diözesanstellen Rhein-Neckar und Odenwald Tauber zuständig ist.

Trotz Hoher Beschäftigtenzahl und guter wirtschaftlicher Lage sind auch in Deutschland die Arbeitsbedingungen noch lange nicht überall menschenwürdig: Es gibt Einkommensunterschiede von Frauen und Männern bei gleichwertiger Tätigkeit; Arbeitszeiten, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschweren; Tarifflucht; vermehrt Beschäftigte in befristeten Arbeitsverhältnissen. Zwischen Gesetzlichen und tariflichen Regelungen gibt es große Unterschiede, so etwa beim Lohn oder Urlaub.

Immer wird Terhorst die Frage gestellt, weshalb sich die Katholische Kirche für Arbeitnehmer und deren Anliegen einsetze. Konkret geht es um die Entwicklung der Fragestellung, wie sich die Katholische Soziallehre zur Betrieblichen Mitbestimmung positioniert. Der Arbeitnehmerseelsorger ist der Meinung, dass ein fairer Wettbewerb einen gerechten Ordnungsrahmen braucht, in einer zwischenzeitlich global vernetzen Wirtschafts- und Arbeitswelt. Dieser Ordnungsrahmen sind Tarifverträge: Hier Handeln Betriebsräte und Gewerkschaften einerseits, mit Arbeitgebern und Arbeitgeberverbänden anderseits, Leitplanken für Betriebliche Mitbestimmung in Tarifverträgen aus.

In seiner Arbeit stelle er fest, dass zunehmend das Motto gelte: Wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht. Ein Miteinander unter Kollegen gibt es seltener, der Organisationsgrad der Beschäftigten in Gewerkschaften nimmt ab. So gibt Papst Franziskus mit seiner Enzyklika Laudato si eine Steilvorlage, indem er auch auf Schattenseiten einer auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Wirtschaft aufmerksam macht.

Die betriebliche Mitbestimmung gilt es in ein positives Licht zu rücken. In 'gewerkschaftsfernen Kreisen' werden Betriebsräte als etwas Altmodisches und Verstaubtes dargestellt. Dabei sind gerade mitbestimmte Betriebe besonders innovativ. Es geht darum, die betriebliche Interessenvertretung aus einer 'Schmuddel Ecke' zu holen und zu betonen, dass Betriebsräte sich für die Mitarbeitenden meist ehrenamtlich einsetzen. Sie verstehen sich als 'betriebliches Sicherheitsnetz' für diejenigen, die sich selbst nur schwer helfen können, sie sind für die Menschen da. Die Folge ist eine Schwächung der Beschäftigten gegenüber den Unternehmensleitungen. Dabei können aus meiner Sicht Arbeitnehmerrechte nur gemeinsam durchgesetzt werden. Beschäftigte sind vereinzelt der Auffassung, ihre Interessen gegenüber dem Arbeitgeber gut alleine vertreten zu können. Dies mag im Einzelfall und in bestimmten Branchen, bei hoher Nachfrage nach Fachkräften wie derzeit, der Fall sein. Spätestens bei einer nächsten Krise oder bei Meinungsverschiedenheiten der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite ist es von Vorteil, gemeinsam Interessen zu vertreten. Hierzu gäbe es die parteilichen Vertretungen mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften als Tarifvertragsparteien.

'Denn die Ordnung der Dinge muss der Ordnung der Personen dienstbar werden und nicht umgekehrt', (GS Nr. 26) so heißt es in den Texten zum 2. Vatikanischen Konzil. Hiermit wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich die gesellschaftliche Ordnung immer am Wohl der einzelnen Person orientieren muss. Schließlich weist Gaudium et spes (GS) darauf hin, dass die Kirche nicht allein auf dieser Welt ist. Sie lebt in der Welt, versteht sich als 'der Sauerteig und die Seele der in Christus zu erneuernden und in der Familie Gottes umzugestaltenden menschlichen Gesellschaft.' (GS 40) Hiermit sieht sich Kirche zuerst als Helfer zur Persönlichkeitswerdung. Hier leite ich auch mein Tun als Referent für Arbeitnehmerseelsorge ab, wenn ich im Auftrag der Kirche Arbeitnehmervertretrer wie Betriebs- und Personalräte begleite.

Als zentralen Faktor für das Ziel einer neuen Humanisierung der Arbeit gehört auch die lange Geschichte der betrieblichen Mitbestimmung: 'Die betriebliche Mitbestimmung ist nicht am Ende, sie hat Zukunft. Die Möglichkeit der Mitbestimmung ist die Anerkennung der Würde der arbeitenden Menschen. Die Mitbestimmung, und so versteht sie auch die Katholische Soziallehre, ist Ausdruck dafür, dass die arbeitenden Menschen nicht einfach als Objekt der Arbeit betrachtet werden dürfen, sondern als Mitverantwortliche und Mitgestalter der Arbeit', so Kardinal Marx am 08.03.2016. Das habe auch Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika Centesimus annus (1991) unterstrichen: 'Die wichtigste Ressource des Menschen ist in der Tat der Mensch selbst.'

Die kommunistische Ideologie hat im 20. Jahrhundert vielen Menschen Leid gebracht. Die Kirche hat von Anfang an auf die Gefahren des Klassenkampfes hingewiesen und diese scharf verurteilt. Die kirchliche Soziallehre und christlich soziale Bewegung setzten und setzen für einen gerechten Interessenausgleich zwischen den unterschiedlichen Akteuren aus Wirtschaft und Arbeitswelt ein. Terhorst höre allerdings auch immer häufiger kritische Töne über die Wortwahl von Papst Franziskus etwa mit dem Wort: 'Diese Wirtschaft tötet.' Einerseits hat er mit dieser Äußerung natürlich Recht, mit dieser Zuspitzung hat er weltweit Gehör gefunden. Gerade diese Ausdrucksweise von Franziskus gibt uns als katholische Kirche nicht nur einen caritativen sondern auch einen politischen Akzent. So müssen wir uns die Frage stellen, ob es notwendig ist, befristete Beschäftigungsverhältnisse oder Leiharbeit haben zu müssen. Oder wie geht es den Menschen als Ein-Euro-Jobber, Crowdworker, geringfügig Beschäftigter, Leiharbeiter oder Soloselbstständiger. Deshalb müssen wir unsere Stimme um uns für eine menschenwürdige Arbeitswelt einsetzen.

KAB Bezirksvorsitzende Birgitta Hucht dankte zum Schluss dem Ehepaar Marianne und Bruno Reidel für die Bewirtung und freut sich auf die nächste Veranstaltung zum Welttag für menschenwürdige Arbeit im nächsten Jahr in Nussloch.

 

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